Als Freelancer arbeitest du in der Regel mit einem Stundensatz. Für Einsteiger kann es schwierig sein, diesen Satz festzulegen. Es gibt keine feste Formel, und du möchtest nicht zu hoch oder zu niedrig ansetzen. Den minimalen Stundensatz bestimmst du auf Basis deiner jährlichen Kosten, aber das ist nur der erste Schritt. Für einen angemessenen Stundensatz berücksichtigst du auch deine Expertise, Erfahrung und den Markt.

Der richtige Stundensatz

Indem du deine jährlichen Kosten ermittelst, kannst du berechnen, welcher Stundensatz notwendig ist, um die Gewinnschwelle zu erreichen. Das bedeutet, dass du genug verdienst, um all deine Kosten zu decken. Aber als Freelancer möchtest du auch Gewinn machen, sparen und dir etwas gönnen. Die Festlegung des richtigen Stundensatzes kann für Gründer herausfordernd sein, da es keine feste Formel gibt. Glücklicherweise gibt es Online-Tools und Richtlinien, die dir helfen können. So veröffentlichen wir jährlich die durchschnittlichen Stundensätze von Freelancern pro Branche. Diese Daten geben dir eine gute Orientierung, aber es bleibt eine Herausforderung, deinen spezifischen Satz festzulegen. In diesem Artikel besprechen wir die Faktoren, die Einfluss auf deinen endgültigen Stundensatz haben.

Jährliche Kosten berechnen

Beginne damit, deine jährlichen Kosten übersichtlich darzustellen. Berechne all deine persönlichen Ausgaben für ein Jahr, wie Wohnen, Ernährung und Lebensstil. Dieser Betrag sollte dir ermöglichen, komfortabel zu leben. Addiere dann all deine Geschäftskosten, die notwendig sind, um dein Unternehmen am Laufen zu halten. Als Einsteiger kann das schwierig sein, aber schätze die Kosten für Ausrüstung, Transport, Telefon, Internet, Webseite und eventuell die Miete für einen Büroplatz außerhalb. Vergiss auch nicht die Steuersätze, die für dich gelten, wie MwSt., Einkommenssteuer, Versicherungen und Altersvorsorge. Addiere deine persönlichen Ausgaben, Geschäftskosten und Steuern. Dies ergibt den Break-even-Betrag, den du jährlich verdienen musst, um ohne Schulden über die Runden zu kommen.

Jährlich zu fakturierende Stunden

Jetzt, wo du weißt, wie viel Geld du jährlich benötigst, kannst du berechnen, wie du dies als Freelancer verdienen wirst. Bestimme die Anzahl der Stunden, die du Kunden fakturieren kannst. Es ist verlockend zu denken, dass du vierzig Stunden pro Woche arbeitest und mit einem Stundensatz von fünfzig Euro zweitausend Euro pro Woche verdienst. Das ist jedoch nicht realistisch. Du kannst nicht jede Stunde abrechnen. Neben abrechenbaren Stunden hast du auch nicht-abrechenbare Stunden, wie Reisen, Buchhaltung, Akquise, Kundenbindung, Marketing, Urlaub und Krankheit.

Beispielrechnung Stundensatz

Angenommen, deine persönlichen Ausgaben betragen 17.000 Euro, deine Geschäftskosten 10.000 Euro und die Kosten für Steuern, Versicherungen und Altersvorsorge 13.000 Euro. Dann betragen deine gesamten jährlichen Kosten 40.000 Euro. Diesen Betrag musst du jährlich verdienen, um dein Unternehmen rentabel zu halten. Berechne dann die Anzahl der abzurechnenden Stunden pro Jahr. Zum Beispiel 940 abrechenbare Stunden: 52 Wochen minus 4 Wochen Urlaub und 1 Woche Krankheit = 47 Wochen x 5 Tage = 235 Arbeitstage x 4 abrechenbare Stunden pro Tag = 940 Stunden. Teile 40.000 Euro durch 940, was zu einem Stundensatz von 42,55 € führt.

Gewinn einkalkulieren

Der Stundensatz von 42,55 € ist der minimale Satz, um die Gewinnschwelle zu erreichen. Als Unternehmer möchtest du natürlich auch Gewinn erzielen. Mit Gewinn kannst du sparen, in den Urlaub fahren oder investieren. Angenommen, du möchtest jährlich 15.000 Euro Gewinn machen, dann addierst du dies zu deinen jährlichen Kosten. Teile die Gesamtsumme von 55.000 Euro durch 940 Stunden, was einen Stundensatz von 58,51 € ergibt. Wenn du tatsächlich 940 Stunden zu diesem Satz arbeitest, bleiben dir 15.000 Euro. Beachte, dass diese Berechnung keine Steuerberücksichtigung enthält und nur ein Beispiel ist.

Marktübliche Sätze

Als angehender Freelancer ist es wichtig zu wissen, welche Sätze in deiner Branche üblich sind. Dies hilft dir, deine Position im Markt zu bestimmen. Fragst du beispielsweise 125 Euro pro Stunde, während ein anderer 55 Euro verlangt, ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass du den Auftrag bekommst. Es kann schwierig sein, die Sätze von Kollegen und größeren Unternehmen herauszufinden, aber versuche, jemanden aus der Branche zu konsultieren. Achte auch auf Regionen: Die Sätze in Wien können anders sein als in Graz oder Linz. Unser Überblick über die durchschnittlichen Stundensätze pro Branche und Region hilft dir, Einblick in marktübliche Sätze zu erhalten.

Nachfrage und Angebot

Sobald du den Gewinn in deinen Satz einbezogen hast, schaust du dir die Nachfrage und das Angebot in deiner Branche an. Gibt es eine hohe Nachfrage nach deinen Dienstleistungen, beispielsweise weil Freelancer regelmäßig Aufträge erhalten oder es einen Mangel an Freelancern gibt, kannst du in Erwägung ziehen, deinen Stundensatz zu erhöhen. Gibt es wenig Nachfrage, findest du schwer Kunden oder suchen Kollegen einen Job, kann es notwendig sein, deinen Satz zu senken, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Expertise des Freelancers

Das Verhältnis zwischen Preis und Qualität spielt ebenfalls eine Rolle. Mit mehr Expertise kannst du einen höheren Stundensatz verlangen. Lass beispielsweise deine Ausbildung in deinen Satz einfließen. Als Einsteiger ist es schwierig, einen passenden Satz festzulegen. Beginne daher mit einem bescheidenen Stundensatz, um einen Kundenstamm und ein Portfolio aufzubauen. Im Laufe der Zeit kannst du eine bessere Zeitschätzung vornehmen und dank deiner Erfahrung deinen Stundensatz erhöhen.

Erfahrung des Freelancers

Erfahrung geht oft mit Expertise einher, ist aber dennoch anders. Denk an einen talentierten Fotografen mit Kundenkenntnis, der Probleme vorhersagen kann und so Zeit und Geld spart. Er kann seine Sätze entsprechend anpassen. Dieser höhere Satz sorgt für eine natürliche Selektion der Kunden. Als Einsteiger benötigst du alle Kunden, und mit einem wettbewerbsfähigen Satz vergrößerst du deinen Kundenstamm. Mit Erfahrung schätzt du wahrscheinlich einen kleineren Kundenstamm, der deine Sätze bezahlen kann.

Dienstleistung als Freelancer

Auch deine Dienstleistung beeinflusst deinen Preis. Bist du immer verfügbar und schließt deine Aufträge schnell ab, oder benötigst du mehr Zeit und müssen Kunden manchmal länger warten? Passe deine Sätze entsprechend an.

Unternehmensstrategie

Zusätzlich zu diesen Faktoren kannst du bewusst ein höheres oder niedrigeres Honorar aufgrund deiner Strategie oder Positionierung wählen. Denk an ein Chanel-Parfüm versus eine Eigenmarke: Beide riechen gut, aber du zahlst mehr für Chanel. So funktioniert es auch mit deinen Sätzen. Niedrigere Sätze ziehen mehr Aufträge an, können jedoch Zweifel an der Qualität aufwerfen. Hohe Sätze fordern das Beste von deinen Kunden. Mit einem niedrigen Satz kannst du mehr Aufträge gewinnen, und durch gute Arbeit erhältst du Folgeaufträge und Mundpropaganda. Dies kann vorübergehend harte Arbeit bedeuten, aber nach erfolgreichen Phasen kannst du deine Sätze erhöhen und letztendlich zufrieden sein.

Erhöhe deinen Satz im Laufe der Zeit

Jetzt, wo du weißt, wie du einen passenden Stundensatz berechnest, ist es an der Zeit zu erfahren, wie Kunden reagieren. Trau dich, deinen Satz zu erhöhen, wenn Kunden das akzeptieren. Das ist keine Gier, sondern Wirtschaft: Du fakturierst, was der Markt tragen kann. Manchmal unterschätzt du deinen eigenen Wert, auch wenn du Erfahrung und Expertise einbeziehst. Achte darauf, dass du nicht so hoch gehst, dass du Kunden verlierst. Erhöhe deinen Satz Schritt für Schritt.

Ob ein Stundensatz für dich funktioniert, hängt von deiner Branche ab. Nicht jeder Freelancer rechnet pro Stunde: Eine Sekretärin arbeitet vielleicht pro Projekt, ein Texter pro Wort, ein Fotograf pro Foto und ein Designer pro Entwurf. Andere fakturieren pro Halbtags- oder auf Basis der Nachkalkulation. Was für dich am besten ist, pro Stunde oder pro Auftrag, hängt von deiner Branche ab. Als angehender Freelancer bleibt es eine Frage des Schätzens, aber mit Erfahrung findest du einen Satz, mit dem du zufrieden bist. Lies auch den Artikel Begründung des Stundensatzes, denn du musst deinen Satz auch gut an Kunden verkaufen können.

Bestimme in acht Schritten deinen Stundensatz:

  1. Berechne deine jährlichen Kosten.

  2. Berechne, wie viele Stunden du jährlich fakturieren kannst.

  3. Überlege, wie viel Gewinn du jährlich erzielen möchtest.

  4. Addiere deine jährlichen Kosten und den gewünschten Gewinn und teile dies durch die zu fakturierenden Stunden.

  5. Vergleiche diesen Stundensatz mit Sätzen in deiner Branche und bestimme, ob du ihn anpassen kannst.

  6. Untersuche Angebot und Nachfrage in deiner Branche. Bei hoher Nachfrage kannst du deinen Satz erhöhen.

  7. Berücksichtige deine Expertise, Erfahrung